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09 | Oktober |
01.10.09 | Viennale 2009: "PINK" läuft am 23. 10. um 21 Uhr in der Urania und am 24. 10. um 11 Uhr im Metro. In Schweden hat es inzwischen angefangen zu regnen. |
02.10.09 | Am 13. und 19. November läuft "PINK" beim 13. Deutschen Filmfestival des Goethe-Instituts in Singapur. In Schweden regnet es immer noch. Lund ist eine Stadt wie aus dem Mittelalter. Jeder dritte Mensch hier ist entweder Student oder Professor. |
03.10.09 | Ein Spaziergang durch Lund am Abend zwischen 18 und 19 Uhr. Ich fülle die Anmeldung von "PINK" für den Deutschen Filmpreis online aus, lade Plakat und druckfähige Fotos auf den Server der Deutschen Filmakademie. Das dauert, obwohl eine 12 MB-Datei, nur Sekunden, denn ich habe hier eine 50 MB/Sec-Internetverbindung. Jetzt weiß ich, dass ich das auch im nächsten Jahr in der Fidicinstraße haben will. Bei uns heißt das "Call & Surf Comfort VDSL 50". Ich werde die Telekom so lange quälen, bis dieser behäbige Konzern das endlich für mich schaltet. |
04.10.09 | Vieles ist anders in Schweden. In einer Hunderttausend-Einwohnerstadt wie Lund gibt es nur ein einziges Geschäft, in dem ich Wein kaufen kann. In Banken und manchen Geschäften muss man erst aus einem Automaten eine Nummer ziehen, bevor man bedient wird. So wie in Deutschland bei den KfZ-Zulassungsstellen und Bürgerämtern. Und auf der Straße begegnet man Männern, die Röcke tragen: "Aus Solidarität mit den Frauen" hat man mir erklärt. Am Abend sehe ich "BERLIN CHAMISSOPLATZ" und bei der Szene, in der Hanns Zischler Klavier spielt und singt und Sabine Bach ihm mit wachsender Begeisterung zuhört, kommen mir, ob ich will oder nicht, die Tränen. (Link zur Szene auf YouTube). Das ist mir noch nie passiert. |
05.10.09 | Gestern war hier in Lund ein fürchterlicher Sturm. Nur im Botanischen Garten war es etwas ruhiger. |
06.10.09 | Mein vorletzter Tag in Lund. Ich finde an einem Haus ein Schild mit dem Text: Hier lebte August Strindberg im Jahr 1897 und da schrieb er "Inferno". Zwischen Strindberg und mir gibt es immerhin zwei Verbindungen. Er hat den Roman "Das rote Zimmer" geschrieben (mit dem mein neues Filmprojekt allerdings nur den Titel gemein hat), und in "TAROT" inszeniert George Tabori mit Vera Tschechowa eine Szene aus Strindbergs "Totentanz". Ethnographie des Alltags: das ungewöhnlichste Toilettenhäuschen, das ich bis jetzt gesehen habe. Am Abend esse ich zum erstenmal in meinem Leben Rentierfleisch. Ich dachte, dass es wie Reh schmecken würde, aber es schmeckt anders. Dabei muss ich immer an "Rudolph the Red-nosed Reindeer" denken, ein Weihnachtslied, das mir von einigen Englisch sprechenden Freundinnen immer wieder vorgesungen wurde: "Rudolph the Red-Nosed Reindeer Had a very shiny nose, And if you ever saw it, You could even say it glows. All of the other reindeer Used to laugh and call him names; They never let poor Rudolph Join in any reindeer games. Then one foggy Christmas Eve, Santa came to say: “Rudolph with your nose so bright, Won’t you guide my sleigh tonight?” Then how the reindeer loved him As they shouted out with glee, “Rudolph the Red-Nosed Reindeer, You’ll go down in history.” |
07.10.09 | Zurück in Berlin. Der Temperatur-Unterschied zwischen Lund und Berlin heute ist mehr als 10 Grad. Ich fühle mich als wäre ich in einem tropischen Land gelandet.Viel Post. Ich freue mich, dass "PINK" jetzt in einigen Provinzkinos läuft. Das Internet hier ist gähnend langsam - trotz DSL 6000. |
08.10.09 | Ich finde im Internet eine Vorlesung der Uni Weimar vom 7. 12. 1999 über "ROTE SONNE", in der erklärt wird, warum "ROTE SONNE" ein "guter Film" ist. |
09.10.09 | Draußen hat es gestern in Strömen geregnet. Ich fange an, das neue Buch von Richard David Precht zu lesen. |
10.10.09 | Obwohl ich gestern schon die ersten 100 Seiten bei Precht gelesen habe, habe ich nichts Wirkliches über die Liebe gelernt und fürchte, dass es auch dabei bleibt. Mein Bauernhof, den ich fast drei Wochen allein gelassen habe, verzaubert mich. Zum erstenmal wird mir klar, dass wenn ich Fotos in der Richtung der Sonne mache, der Himmel strahlend blau ist, und wenn ich gegen die Sonne fotografiere, ist der Himmel weiß. Aber alle Kameraleute beim Film arbeiten lieber mit Gegenlicht. Naja sie filmen nicht den Himmel, sondern Menschen. Ein Foto im Gegenlicht. Ein Foto im Auflicht. - Der Baum links ist ein Walnussbaum. Weil er noch ziemlich jung ist, fällt die Ernte dieses Jahr ziemlich bescheiden aus. Beim Herumwühlen in meiner Vergangenheit, finde ich ein Photo aus der geschnitten Schlußszene von "MADE IN GERMANY UND USA" in den Swamps südlich von New Orleans. Um uns herum war alles voller Giftschlangen. Ein Polizeihubschrauber warnte uns per Megaphon aus der Luft. Die beiden Schauspieler zogen sich nackt aus, umarmten und küssten sich, denn ich wollte, dass sie wieder zusammenkommen. Die Umgebung sah für mich so aus wie das Paradies und kaum lief die Kamera, fingen tausende Vögel im Hintergrund an, einen unglaublichen Lärm zu machen. Ich hielt es für eine Zustimmung. Die Cutterin dieses Films hat wie eine Wahnsinnige gegen dieses Happyend gekämpft und ich habe schließlich nachgegeben. Jahre später habe ich herausgefunden, dass die Negative dieser Szene verschwunden waren. Die Cutterin scheint geahnt zu haben, dass ich das Ende des Films später wahrscheinlich ändern würde und hat sie vielleicht vernichten lassen oder mit nach Hause genommen. Alles was von dieser Paradies-Szene geblieben ist, ist Martin Schäfers Standfoto, bevor die beiden Schauspieler sich vor lauter Liebe nackt auszogen. |
11.10.09 | Im Internet finde ich gestern diese ARD-Pressemitteilung: Freitag, 09.10.2009 Rudolf Thome zum 70. Geburtstag: Vier Fernsehpremieren und acht Klassiker des Autorenfilmers im November 2009 im Ersten Seit fast 40 Jahren dreht Rudolf Thome Außenseiterfilme, die doch irgendwie „in" sind. Schon mit seiner zweiten Regiearbeit „Rote Sonne" von 1969 schuf er einen Kultfilm, auf den der strapazierte Begriff voll zutrifft. Als Anhalter ist Marquard Bohm auf dem Weg zu einer Münchner Frauen-WG, in der die „Kommune 1"-Ikone Uschi Obermaier als Peggy mit ihren rabiaten Freundinnen die Männer nach dem sexuellen Akt umbringt. Auf hintersinnige Weise bürstet Thome so das 68er Motto gegen den Strich: „Wer zweimal mit demselben pennt...". Nicht minder präzise spiegelt der Filmemacher in seinem später entstandenen Szene-Porträt „Berlin Chamissoplatz" den Zeitgeist wider. Der Film dokumentiert einschlägige Gesprächsrituale in den Politgruppen der alternativen Szene, die durch das damals noch sehr neue Medium Video eine „Gegenöffentlichkeit" schaffen will. Das große Publikum eroberte Thome nicht, weswegen die „Cahiers du cinéma" ihn 1980 als den „wichtigsten unbekannten deutschen Regisseur" einstuften. Der Sohn eines Buchhändlers wurde am 14. November 1939 geboren und studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik. Bevor er seinen ersten Film realisierte, schrieb er Kinokritiken und arbeitete als Produktionsleiter, Kreditsachbearbeiter einer Bausparkasse und Hilfsarbeiter auf dem Bau. Schon diese Mischung deutet an: Thome ist weder Träumer noch abgehobener Cineast. Er betreibt in seinen Filmen eine Archäologie des Alltäglichen, immer nah an seiner Zeit, seinem Berlin und seiner Generation - mit der Integration der 68er in das politische Establishment wurden seine Werke bürgerlicher. Genau beobachtend, lotet er immer wieder die Beziehungskonflikte moderner deutscher Großstadtmenschen aus. In „Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen" inszenierte der Regisseur zu seinem eigenen 60. den Geburtstag eines Komponisten - und feiert dabei auch sich selbst und seinen filmischen Minimalismus. Das späte Werk, insbesondere die eindrucksvolle „Zeitreisen"-Trilogie - „Rot und Blau", „Frau fährt, Mann schläft" und „Rauchzeichen" -, ist geprägt durch die intensive Zusammenarbeit mit Hannelore Elsner, die zu seiner späten Muse avancierte. Ein neues Mitglied in der großen Thome-Darstellerfamilie ist Hannah Herzsprung, als junge Dichterin zwischen drei Männern in seinem neuesten Film „Pink". Das Erste zeigt zum 70. Geburtstag von Rudolf Thome eine Auswahl seiner schönsten Filme, darunter allein vier Fernsehpremieren, die auf dem Sendeplatz „Das Film Festival" am späten Sonntagabend präsentiert werden. Fernsehpremiere 1. November 2009, 0.05 Uhr Pink Deutschland 2009 Darsteller: Hannah Herzsprung, Guntram Brattia, Florian Panzner, Cornelius Schwalm Regie: Rudolf Thome 1. November 2009, 1.30 Uhr Rote Sonne Deutschland 1969 Darsteller: Marquard Bohm, Uschi Obermeier, Diana Körner, Gaby Go Regie: Rudolf Thome 4. November 2009, 0.35 Uhr Das Mikroskop Deutschland 1988 Darsteller: Vladimir Weigl, Adriana Altaras, Malgoscha Gebel, Alexander Malkowsky Regie: Rudolf Thome Fernsehpremiere 8. November 2009, 0.05 Uhr Du hast gesagt, dass du mich liebst Deutschland 2005 Darsteller: Hannelore Elsner, Johannes Herrschmann, Anna De Carlo, Urs Remond Regie: Rudolf Thome 8. November 2009, 2.00 Uhr Rot und Blau Deutschland 2002 Darsteller: Hannelore Elsner, Serpil Turhan, Hanns Zischler, Karl Kranzkowski Regie: Rudolf Thome 11. November 2009, 0.50 Uhr Der Philosoph Deutschland 1988 Darsteller: Johannes Herrschmann, Adriana Altaras, Friederike Tiefenbacher, Claudia Matschulla Regie: Rudolf Thome Fernsehpremiere 15. November 2009, 0.30 Uhr Rauchzeichen - Zeitreisen - Die Zukunft Deutschland 2005 Darsteller: Hannelore Elsner, Karl Kranzkowski, Adriana Altaras, Serpil Turhan Regie: Rudolf Thome 15. November 2009, 2.40 Uhr Frau fährt, Mann schläft Deutschland 2004 Darsteller: Hannelore Elsner, Karl Kranzkowski, Markus Perschmann, Kathleen Fiedler Regie: Rudolf Thome 18. November 2009, 0.35 Uhr Sieben Frauen (1989) Deutschland 1989 Darsteller: Johannes Herrschmann, Adriana Altaras, Elisabeth Zündel, Alexandra Schnaubelt Regie: Rudolf Thome Fernsehpremiere 22. November 2009, 0.00 Uhr Das Sichtbare und das Unsichtbare Deutschland 2006 Darsteller: Hannelore Elsner, Guntram Brattia, Anna Kubin, Hansa Czypionka Regie: Rudolf Thome 22. November 2009, 2.05 Uhr Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen Deutschland 1999 Darsteller: Hanns Zischler, Cora Frost, Adriana Altaras, Sabine Bach Regie: Rudolf Thome 29. November 2009, 2.25 Uhr Berlin Chamissoplatz Deutschland 1980 Darsteller: Sabine Bach, Wolfgang Kinder, Gisela Freudenberg, Hanns Zischler Regie: Rudolf Thome |
12.10.09 | Eine Moana-Tagebuchleserin freut sich über die vielen Filme, die im November von mir in der ARD zu sehen sind und schreibt: "Wenn es einen Nobelpreis für Filmkunst gäbe, Sie müssten ihn bekommen!" Ich entdecke, dass auch der RBB einen Film einen Film am 17. November zeigt, SYSTEM OHNE SCHATTEN" und zwar schon um 22.50 Uhr, also vor Mitternacht. (LINK) |
13.10.09 | Draußen weht ein eiskalter Wind. Kein Wunder, dass die Mäuse keine Lust mehr haben, draußen rumzulaufen. Jetzt bevölkern sie wieder meinen Dachboden. Gestern huschte eine blitzschnell aus meinem Schlafzimmer, als ich die Tür aufmachte. Da sie auch Löcher in die Dielenbretter fressen (die ich jedes Jahr mit Beton zumache), habe ich die ersten zehn Fallen mit Käse aufgestellt. Das Resultat in einer Nacht: der Käse in 3 Fallen leergefressen und 3 Fallen mit toten Mäusen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch dieses Jahr wieder ca. 30 Mäuse fangen muss, um Ruhe zu haben. Mein Marder ist auch wieder da. Es rumpelte gestern Abend in meiner Wand, als schleifte ein Einbrecher einen ganzen Sack in sein kuscheliges Heim in meiner Dachisolierung. Vielleicht war's ein Mardermann der einer Marderfrau alle seine Herrlichkeiten zeigen wollte. Wenn die Marder wenigstens die Mäuse fressen würden, wären sie wenigtens zu etwas gut! Das nur halbverputzte Gebäudeteil meines Schreibarbeitszimmers von "INS BLAUE" hat mich in diesem Sommer meinen letzten Nerv gekostet, denn bei starkem Regen sprudelte das Regenwasser durch die Mauer direkt in den vor vier Jahren neugebauten Raum. So sah es am Beginn der Schreibarbeit im Juli von innen aus. Aus der grünen Rückwand kamen zwei Wasserfontänen. Jedes Mal gut zwei Eimer voll Regenwasser. Was wird wohl im Sommer 2010 sein? Ich hoffe, dass ich im Juli/August dabei bin, endlich "DAS ROTE ZIMMER" zu drehen. |
14.10.09 | Es kann auch noch richtig schön sein bei diesen frühwinterlichen Temperaturen auf meinem Bauernhof. Ich setze 35 Krokuszwiebeln in die Erde meines Gartens. Als Gärtner und als Filmregisseur muss man immer lange vorausplanen. |
Und hier endlich ein Foto meiner Tochter von ihrem Aufenthalt im Dschungel von Malawi, aber jetzt ist sie schon mitten drin in ihrem nächsten Filmjob in Johannesburg. Und jetzt, eine halbe Stunde später kriege ich von ihr auch ein Foto von den Elefanten, auf das ich seit drei Wochen gewartet habe. |
15.10.09 | Ich beginne heute mal ein bisschen mit dem Umzug in die Fidicinstraße: ein paar Aktenordner und ein kleiner inzwischen uralter LCD-Fernseher, der auch sofort anstandslos funktioniert. Jetzt brauche ich nur noch eine Matratze und eine Bettdecke, um mal wieder probeweise da zu schlafen. Dann treffe ich Serpil, die ich seit dem Abbruch der Drehvorbereitungen im Juni nicht mehr gesehen habe. Wir gehen zusammen in einem griechischen Restaurant essen. Das gleiche Lokal, in dem Hanns Zischler und Sabine Bach in "BERLIN CHAMISSOPLATZ" zusammen gesessen haben und wo ein Tischnachbar eine zusammengefaltete Serviette anzündet und die dann in die Luft steigt. Jochen Brunow und ich hatten das beim Drehbuchschreiben in einem anderen griechischen Lokal gesehen und wollten beide das unbedingt im Film haben. Doch mit sämtlichen Servietten, mit denen wir das beim Drehen probierten, klappte das nicht. Nach zig Versuchen mit mehreren Servietten ahnte ich, dass es nur mit einer bestimmten Serviettenart funktionierte. Also bin ich in das andere Lokal gegangen. Die hatten inzwischen auch neue Servietten, mit den der Luftschiffrick nicht funktionierte. Aber der Besitzer fand dann noch ein paar der alten Sevietten, mit denen es ging. Und damit war die Szene gerettet. Serpil und ich sprechen über das Drehen von "DAS ROTE ZIMMER" und über alles, was in der Zwischenzeit passiert ist, bei ihr und bei mir. |
16.10.09 | Im Programm von BR-alpha (diesen Sender kriegt man außer in Bayern wahrscheinlich nur über Satellit) entdecke ich eine absolute Rarität: am Sonntag, den 15. November um 0.20 Uhr zeigen die ein Porträt über mich des Saarländischen Rundfunks aus dem Jahre 1983 "DAS, WAS ICH VIELLEICHT AM BESTEN KANN…, DAS KINO DES RUDOLF THOME". Der Film ist während der Dreharbeiten von "SYSTEM OHNE SCHATTEN" entstanden. |
17.10.09 | Heute bekomme ich die Scans, die die Degeto von den Dias zu "SIEBEN FRAUEN" (1989) gemacht hat. Hans Hummel (Johannes Herrschmann) kehrt nach einem langen Aufenthalt in der Südsee zurück in das Haus seines inzwischen verstorbenen Vaters. In dieser Szene besucht er seine Mutter, die noch immer in dem hessischen Dorf lebt, wo er geboren worden ist. Sie übergibt ihm eine lederne Aktentasche mit Nummernschloss, in dem das Vermächtnis seines Vaters verborgen ist. Sie kennt nicht den Zahlencode. Sein Vater habe gesagt, dass er ihn schon herausfinden werde. Mein Gott war ich damals noch romantisch! Es ist nicht irgendeine Aktentasche, sondern die Aktentasche von Hans Brockmann, meinem Freund und Koproduzenten von "BERLIN CHAMISSOPLATZ", "SYSTEM OHNE SCHATTEN" und "TAROT": Das Dorf ist Wallau an der Lahn, und in diesem Dorf bin ich selbst fünfzig Jahre früher geboren, ein Dorf umgeben von Hügeln und Wäldern. In den Wäldern habe ich mit meinem Bruder jahrelang nach dem Krieg Pilze gesucht, denn es gab nicht so viel zu essen. Hier ein LINK zum Clip von "SIEBEN FRAUEN" auf YouTube. |
18.10.09 | Kurz nach Sonnenuntergang. Auf meinem Bauermhof. Ich habe wieder einen Koffer voll Moana-Akten hergeschleppt. |
19.10.09 | Heute lasse ich den ganzen Tag im Innenhof ein Feuer brennen: ein Feuer für meinen Gott der Filmfinanzierung, damit er sich wieder an mich erinnert und mir hoffentlich zu meinem 70. Geburtstag ja sagt für die Finanzierung von "DAS ROTE ZIMMER", den ich unbedingt im nächsten Sommer drehen will. Wie soll ich sonst 75 werden?! |
20.10.09 | "BERLIN CHAMISSOPLATZ" läuft auf dem Human Rights Filmfestival (7. - 13. 12.) in Zagreb (LINK). Die letzten Sonnenstrahlen gestern abend auf dem Dorfteich. Die ersten Sonnenstrahlen heute morgen auf dem Dorfteich. Bei minus 2 Grad beginnt das Wasser zu dampfen, wenn die Sonne darauf fällt. |
21.10.09 | Eine einzige Nacht mit minus 2 Grad hat genügt, um alle meine Dahlienblüten zu töten. Jetzt muss ich die Knollen aus der Erde holen und im Keller trocknen. Morgen fahre ich wieder nach Berlin und fliege dann nach Wien zur Viennale. |
22.10.09 | Diesen Text (vermutlich vom Festivalchef Hans Hurch geschrieben), finde ich bei meiner Ankunft im Programmheft der Viennale: "Würde man als unschuldig Unwissender die Erde vom Weltall aus beobachten, so sagt Sigmund Freud sinngemäß, wäre die erstaunlichste Erkenntnis, dass es zwei Arten von Erdbewohnern gibt: Männer und Frauen. Von diesem Erstaunen könnte man sagen, handeln seit über vierzig Jahren auf liebevolle, verweifelte, kindische und eigensinnige Weise die Filme von Rudolf Thome. Auch Pink ist eine märchenhafte Variation dieses Themas, die Geschichte einer jungen, erfolgsverwöhnten Dichterin, gespielt von der wundervollen Hannah Herzsprung, die ihr Glück finden will und zwischen drei höchst unterschiedlichen Männern wählen muss.“ |
23.10.09 | Blick auf Wien aus dem Hotelfenster. Cynthia Beatt, Peter Nestler und seine Frau. Cynthia Beatt und Peter Knaack (der den Kussforscher in DAS ROTE ZIMMER spielen soll) Cynthia Beatt und ich. Vor 30 Jahren haben wir zusammen "BESCHREIBUNG EINER INSEL" gemacht und waren ein halbes Jahr auf Ureparapara. Hella Wenders, die Nichte von Wim Wenders, ist meine Gästebetreuerin und leiht mir heute ihr Stromversorgungskabel für mein MacBook (das ich in Berlin vergessen habe). Hans Hurch, der Festivaldirektor mit Astrid Ofner, seiner Lebensgefährtin. Er hat mich mit "PINK" zum sechsten Mal zur Viennale eingeladen, und sein Vertrag als Festivaldirektor ist um 5 Jahre verlängert worden. Da muss ich unbedingt noch ein paar Filme mehr machen. Der Stargast der Viennale, Tilda Swinton. Wir haben uns seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen. |
24.10.09 | Am Morgen scheint ein bisschen die Sonne. Ich mache einen längeren Spaziergang durch den Stadtpark. Wien ist so anders als Städte in Deutschland. Alles ist so ordentlich. An vielen Bäumen sind Schilder angebracht mit den botanischen Namen der Bäume, und an jeder Ecke gibt es Statuen von berühmten (und vielleicht auch weniger berühmten) österreichischen Menschen. |
25.10.09 | Auch die "PINK"-Vorstellung im Metro-Kino heute ist ausverkauft. Das Publikum empfängt mich und Ute Freund äußerst wohlwollend. Ich fühle mich vom ersten Moment an zuhause. Während der Film läuft, sitzen Olaf Möller, der die Diskussion nach dem Film moderieren wird, in einem typischen Wiener Kaffee und unterhalten uns über Yasujiro Ozu und Haruki Murakami, denn Olaf Möller spricht japanisch. Das Publikumsgespräch danach geht ungewöhnlich lange. Katharina Lorenz und Peter Knaack, die beiden vorgesehenen Hauptdarsteller von "DAS ROTE ZIMMER" sitzen direkt vor mir in der ersten Reihe. Ich muss bei allem, was ich über "PINK" sage, daran denken, dass sie es hören und bete insgeheim, dass ich keinen Blödsinn rede. Ich bin sehr erleichtert darüber, dass diesmal auch Ute Freund, meine Kamerafrau, neben mir auf der Bühne steht. Olaf Möller und Ute Freund im Gedpräch mit einem PINK-Zuschauer. Mit Katharina Lorenz und Peter Knaack gehe ich nach der Vorstellung essen. In ein Lokal mit dem Namen "Immervoll". Es macht seinem Namen alle Ehre, aber es ist total gemütlich. Wir sprechen, immer wieder unterbrochen durch den Lärm einer entsetzlich lauten Espressomaschine, über Privates und über potenzielle Drehtermine für "DAS ROTE ZIMMER". Danach gehen Peter Knaack und ich ins Künstlerhaus-Kino (Katharina Lorenz muss zur Probe ins Burgtheater) und sehen dort den Film von Cynthia Beatt "The Invisible Frame" mit Tilda Swinton. Es ist eine Welturaufführung. Auch hier ist das Kino brechend voll. Cynthia Beatt und Tilda Swinton beim Publikumsgespräch über ihren gemeinsamen Film. Beim Abendessen spreche ich mit dem Festivaldirektor Hans Hurch über unsere weitere gemeinsame Zukunft, über meine Tochter Joya, und er erzählt mir die neuesten Geschichten von Jean-Marie Straub. Auf dem Nachhauseweg ins Hotel entdecke ich diese außerordentlich reizvolle Wiener Telefonzelle. |
26.10.09 | Gestern mittag in Wien noch ein Interview mit Stefan Grissemann für das Wiener Wochenmagazin "Profil" (ein Pendant zum deutschen "Spiegel"). Er hat "PINK" am Samstag im Metro-Kino gesehen, und ihm hat der Film sehr gefallen. Er hat mir ungewöhnliche Einsichten zu "PINK" und auch zu allen anderen Filmen von mir gesagt. Das was er gesagt hat, hat mir besser gefallen als das, was ich geantwortet habe. Das Interview erscheint voraussichtlich in der Woche meines 70. Geburtstags, also am Montag, den 9. November. |
27.10.09 | Heute Nacht bin ich aus einem Albtraum aufgewacht. Es waren Dreharbeiten, und das Drehen ging bis tief in die Nacht. Alle waren unzufrieden. Bruno Ganz war dabei. Nichts klappte, nichts war organisiert. Denn ich hatte, vermutlich um zu sparen, keinen Produktionsleiter und keinen Set-Aufnahmeleiter engagiert. Bevor das totale Chaos ausbrach, wurde ich Gott sei Dank wach. Jetzt weiß ich, was ich an meinen bisherigen Produktionsteams hatte, und dass ich bei diesen Teammitgliedern in meinem Alter nicht mehr sparen kann. |
28.10.09 |
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29.10.09 | Ein Blick aus dem Fenster meiner Wohnung in Charlottenburg. |
31.10.09 | Endlich hat es aufgehört zu regnen. Und ich hoffe, dass ich drei "goldene Oktobertage" (so hießen die Herbstdreharbeiten von "PINK") auf meinem Bauernhof genießen kann. Danach soll es mit dem Regen wieder weitergehen, sagt der Wetterbericht.
Nur noch 14 Tage trennen mich von meinem 70. Geburtstag. Wie wird es mit mir wohl weitergehen in der näheren und ferneren Zukunft. Gott sei Dank gibt es keinen "Wetterbericht" für das Leben. Eine Email der Verlegerin des Thome-Buchs erwischt mich heute auf dem falschen Fuß. Das Thome-Symposion in Marburg am 27./28. November, von dem die spanische Facebook-Seite berichtet, findet nicht statt. Es soll ins nächste Jahr verlegt werden. Und auch der Erscheinungstermin des Buches ist wieder offen, da noch einige wichtige Beiträge fehlen (???). Es scheint die Möglichkeit zu geben, dass auch die Drucklegung des Buches sich ins nächste Jahr verschiebt. Das einzig Erfreuliche an der Email der Verlegerin ist, dass das Buch dicker wird als geplant. Aber was nützt mir das, wenn ich auf die Veröffentlichung vielleicht sogar noch bis zu meinem 75. Geburtstag warten muss. |
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